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Was ist bei der Diagnostik von Bedeutung?Eine Vielzahl von körperlich-neurologischen Erkrankungen können mit psychischen Beschwerden einhergehen, diese selbst verursachen oder sogar psychiatrische Krankheitsbilder vorgaukeln. Daher erfolgt stets neben der kinderpsychiatrischen und jugendpsychiatrischen bzw. psychiatrischen und psychologischen Diagnostik eine umfassende körperliche und neurologische Untersuchung, zu der auch die Ableitungen der Gehirnströme (EEG), der akustisch und visuell evozierten Potenziale (AEP/VEP) und ggf. der Hörfähigkeit (Audiometrie) zählen. Bei Bedarf werden Laboruntersuchungen durchgeführt und computer- oder kernspintomographische Untersuchungen angefordert. Enge Kooperation besteht mit einer humangenetischen und einer endokrinologischen Praxis. Die schulische, berufliche, familiäre und soziale Situation wird erfasst und eine umfassende Krankenvorgeschichte erhoben. Angehörige, Bezugspersonen oder andere wichtige Informationsträger werden bei Bedarf nach Rücksprache und Einverständnis einbezogen. Die Diagnostik erfolgt stets ganzheitlich und berücksichtigt den aktuellen Stand der medizinischen Wissenschaft im Sinne der evidenzbasierten, d.h. internationalen Standards entsprechenden Medizin. Zu den einzelnen Untersuchungen und Untersuchungsabläufen in unserer PraxisIm Folgenden möchten wir Ihnen helfen, sich und Ihr Kind besser auf die Untersuchungen in unserer Praxis einstellen zu können und Ihnen in kurzer Form verständlich machen, welchen Zweck diese haben und wie in etwa der Ablauf sein wird. Nicht alle Untersuchungen müssen bei jedem Patienten durchgeführt werden, die geeignete Auswahl trifft Ihr behandelnder Arzt bzw. ihre behandelnde Ärztin, der/die Ihnen nach Abschluss und Auswertung aller einzelnen Abschnitte auch das Ergebnis mitteilt. Wir bemühen uns, die Wartezeiten bis zur Untersuchung möglichst gering zu halten. Die Patienten werden nicht nach der Reihenfolge ihrer Anmeldung an der Rezeption, sondern nach dem Terminplan und den verschiedenen Untersuchungs- bzw. Behandlungsplänen aufgerufen. Solange Ihr Kind bei uns untersucht und behandelt wird, sollten Sie die Praxisräume keinesfalls ohne Rücksprache mit unseren Mitarbeiterinnen verlassen, da Ihre Anwesenheit zu bestimmten Zeiten zwingend erforderlich ist.
Es ist unser Bestreben, Ihr Kind sehr genau kennenzulernen, damit wir Sie auch fachgerecht beraten können. Deshalb bitten wir Sie zunächst, einige Fragebögen auszufüllen. Sie helfen uns dabei, möglichst kompakt wichtige Informationen über Ihr Kind zu erhalten. In diesen Fragebögen geht es häufig auch um Ihre persönliche Einschätzung. Hierbei gibt es keine „richtigen“ oder „falschen“ bzw. „erwünschten“ oder „unerwünschten“ Antworten, sondern ganz einfach nur darum, wie Sie die Dinge selbst empfinden und erleben. Auch Ihr Kind wird gebeten, verschiedene Fragebögen auszufüllen oder Zeichentests durchzuführen, die z.B. etwas über die Stimmung, die Auge-Hand-Koordination, die feinmotorische Geschicklichkeit, die Fertigkeit, Formen zu erkennen und wiederzugeben und über die Fähigkeit zum abstrakt-logischen Denken aussagen. Während Ihr Kind diese Tests durchführt, wird es von unseren Mitarbeiterinnen betreut. Bitte leisten Sie ihm dabei keine Hilfestellungen.
Wenn erforderlich, führen unsere therapeutischen Mitarbeiter (Diplom-Psychologinnen und Diplom-Psychologen, Heil- und Motopädagogin) verschiedene psychologische und andere Tests durch, die Aussagen über den Entwicklungsstand sowie über bestimmte Fähigkeiten und Fertigkeiten, aber auch zum Verhalten in einer strukturierten Situation oder über tiefer liegende emotionale Konflikte erlauben.
Das Tonaudiogramm untersucht das subjektive Hörvermögen (frequenzabhängige Hörempfindlichkeit) Ihres Kindes. Hierzu werden Ihrem Kind über einen Kopfhörer verschieden Frequenzen (Töne) mit zunehmender Lautstärke vorgespielt und es wird gefragt, ab wann ein bestimmter Ton wahrgenommen wird. Der Test dauert nur wenige Minuten, wird nicht als unangenehm empfunden und überprüft die Intaktheit der Luftleitungshörschwelle (Leitung der Schallsignale über das Außenohr) und der Knochenleitungshörschwelle (Leitung der Schallsignale über den Schädelknochen). Tonaudiometer Elektroenzephalographie (Gehirnstromableitung) Bei Ihrem Kind wird i.d.R. eine Elektroenzephalographie (EEG) durchgeführt. Das Gehirn besteht aus vielen Millionen Nervenzellen, deren bioelektrischen Aktivitäten an der Hirnoberfläche mit Elektroden gemessen und in einer Grafik (EEG-Kurve) dargestellt werden. Hierzu wird dem Kind eine Haube mit den Elektroden aufgesetzt; die „Hirnströme“ können so abgeleitet und analysiert werden. Die Untersuchung findet im Liegen statt. Sie ist völlig schmerzlos und ungefährlich und dauert ca. 20-25 Minuten. Die meiste Zeit der Untersuchung soll das Kind ruhig und entspannt mit geschlossenen Augen daliegen. Im Verlauf der Messung wird Ihr Kind gebeten, für kurze Zeit tief ein- und auszuatmen (sog. Hyperventilationstest). Ebenfalls für kurze Zeit wird ein Flackerlicht während der Ableitung eingeschaltet (sog. Fotostimulation). Die Auswertung führt der/die behandelnde Arzt/Ärztin durch. Diese ist aufwändig und bedarf etwas Zeit und großer Erfahrung. Es können über die bioelektrische Aktivität bestimmte Aussagen zur Gehirnentwicklung, zur neurobiologischen Funktion, über das Vorliegen mancher Erkrankungen (z.B. Krampfleiden) gemacht werden. Daneben dient das EEG der Kontrolle und sicheren Anwendung von Medikamenten.
Ableitung der Gehirnströme (EEG) Bei den evozierten Potenzialen wird die Reizung des Sehsinns (visuell evozierte Potenziale VEP) und des Hörsinns (akustisch evozierte Potenziale AEP) mit einer EEG-Ableitung verknüpft. Es wird überprüft, wie sich das Gehirnstrombild während des Sehens und Hörens verändert. Dadurch werden Informationen zur Reizverarbeitung gewonnen. Bei den visuell evozierten Potenzialen wird der Patient aufgefordert, einige Minuten auf einen Computerbildschirm zu blicken, auf dem einfache Muster dargestellt sind. Auf dem Kopf angebrachte Elektroden empfangen die bioelektrischen Entladungen der Nervenzellen, die mittels Computer verstärkt und in einer Graphik dargestellt werden. Hiermit wird die Funktion der sog. Sehbahn (Sehnerv und Sehrinde des Gehirns) überprüft. Die Methode erlaubt eine Aussage, ob der vom Gehirn gesteuerte Anteil des Sehens intakt ist.
Ableitung der visuell evozierten Potenziale Die akustisch evozierten Potenziale werden nach demselben Prinzip abgeleitet, wobei nicht ein optischer Reiz über den Bildschirm, sondern ein akustischer Reiz für einige Minuten über einen Kopfhörer erfolgt. Die Messung erlaubt eine Aussage über den zentralen Anteil des Hörsinns (Hörzentrum der Gehirnrinde, Hörbahn und Innenohranteile). Die Ableitung der visuell und akustisch evozierten Potenziale dauert ca. 20-25 Minuten, ist ungefährlich und völlig schmerzfrei. Die Auswertung muss durch erfahrene Ärzte erfolgen.
Blutuntersuchungen werden meist vor der Verordnung von Medikamenten durchgeführt oder bei Verdacht auf körperliche Erkrankungen. Hierzu werden wenige Milliliter Blut aus der Armvene entnommen. Meistens werden zwei oder drei verschiedene Monovetten (Entnahmeröhrchen) befüllt, da dies für die unterschiedlichen Laboruntersuchungen erforderlich ist. Der hierdurch verursachte geringfügige Blutverlust belastet den Organismus nicht. In der Regel werden neben einem Blutbild auch die Leber- und Nierenfunktion sowie die Schilddrüsenfunktion kontrolliert, nur bei klinischem Verdacht auch andere Parameter wie die Plasmakonzentration von Medikamenten, genetische Erkrankungen oder Stoffwechselstörungen. Laborkontrollen dienen nicht nur dem Nachweis von Erkrankungen, sondern sind auch eine Grundvoraussetzung für die sichere Anwendung von Medikamenten.
Monovetten für die Blutentnahme Zum Abklärung von Infektionen oder Stoffwechselstörungen oder zum Nachweis mancher Substanzen kann es auch erforderlich sein, eine Urinprobe zu untersuchen.
Bei der kinder- und jugendpsychiatrischen Untersuchung lernt die Ärztin bzw. der Arzt das Kind kennen und stellt eine tragfähige Beziehung her. Neben der aktuellen Problemanalyse wird der psychische Befund erhoben, es werden belastende und stützende Faktoren im Umfeld des Kindes aufgedeckt, man gewinnt ein Bild über die Qualität der Beziehung zu den wichtigsten Bezugspersonen und über Wünsche und Erwartungen des Kindes. Eine sorgfältige körperlich-neurologische Untersuchung gehört zum Standard in der Kinder- und Jugendpsychiatrie.
Im Anschluss an die ersten Untersuchungen erklärt Ihnen Ihr Arzt oder Ihre Ärztin den weiteren Behandlungsablauf. Die Termine hiefür vereinbaren Sie bitte an der Anmeldung, noch bevor Sie die Praxis verlassen. |